#miteinanderstark Ein Besuch beim Zahnarzt während der Coronakrise

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Die Gesellschaft diskutiert, ob Mundschutze getragen werden sollen, um sich gegenseitig vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus über die Tröpfcheninfektion zu schützen. Gleichzeitig behandeln zahlreiche Zahnärztinnen und Zahnärzte in Sachsen-Anhalt täglich Menschen im Mundraum – ein ausreichender Sicherheitsabstand ist unmöglich. Warum sich Zahnärztin Astrid Raedler trotzdem keine Sorgen macht, hat sie MDR SACHSEN-ANHALT erzählt.

Schild, auf dem Keep smiling! steht
Dieses Schild steht am Empfang der Praxis Raedler. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Das Terminbuch der Magdeburger Zahnarztpraxis Raedler ist voll an einem Donnerstag in Zeiten von Corona. Der Betrieb in der Praxis läuft trotz Corona-Krise fast normal. Anfangs seien viele Leute verunsichert gewesen und weggebleiben, erzählt Zahnarzt Tino Raedler. Einen Tag habe die Praxis komplett geschlossen, weil nichts los war. Langsam kämen die Leute wieder. Viele seien aber erstaunt, dass die Praxis weiterhin geöffnet sei. Etwa ein Viertel weniger Patienten gebe es zurzeit, sagt Astrid Raedler.

Die Praxis achtet darauf, dass nicht mehr als eine Person im Wartezimmer sitzt. Wer viel zu früh dran ist, sollte draußen warten. Begleitpersonen dürfen nur in Ausnahmefällen mit in die Praxis kommen. Wer Erkältungssymptome oder sogar Fieber hat, darf die Praxis nicht betreten. Das sei bisher aber noch nicht vorgekommen.

Betrieb reduzieren ist nicht sinnvoll

Junge, blonde Frau in lilafarbener Arztkleidung
Astrid Raedler hat gemeinsam mit ihrem Mann eine Praxis in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Den Betrieb auf Akut- und Notfallpatienten reduzieren, wollen die Zahnärzte nicht. "Wenn wir keine Vorsorge mehr machen, haben wir bald ganz viele Notfallpatienten", sagt Tino Raedler. "Die Füllung, die ich diese Woche nicht mache, weil sie noch keine Beschwerden macht, macht nächste Woche Beschwerden. Dann mach ich aber keine Füllung mehr, sondern eine Wurzelbehandlung, was drei, vier, fünf Termine sind."

Und es sei auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Der Betrieb müsse am Laufen gehalten werden. In der Praxis arbeiten alle normal weiter.  

Vor dem Zahnarztbesuch müsse man wegen Corona keine Angst haben, sagt Astrid Raedler: "Die Hygienestandards, die jetzt überall gefahren werden, sind hier ja immer. Wir arbeiten immer mit Mundschutz, immer mit Handschuhen, immer mit einer Schutzbrille und den notwendigen Hygienemaßnahmen. Man sei geübt – das Praxisteam ebenso wie die Patienten, für die Desinfektionsmittel zur Verfügung steht.

Schutzmaskenpreis ist stark angestiegen

Sorge, dass die Schutzmittel zur Neige gehen, gibt es in der Praxis Raedler derzeit nicht. In der großräumigen Praxis sei der Vorrat noch für einige Monate vorhanden. Anderen Praxen gehe es da schlechter. Einige hätten schon schließen müssen. Aber die Krise macht sich trotzdem bemerkbar. Eine normale Schutzmaske koste derzeit einen Euro, sagt Astrid Raedler, also eine 50er-Packung für 50 Euro. Diese 50er-Packung koste normalerweise zwei bis drei Euro.

Altbauten in der Magdeburger Lennéstraße
Das Gebäude, in dem sich die Praxis befindet. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

"Was viele gar nicht wissen ist: Diese Maske schützt einen selber ja nicht", sagt Astrid Raedler. Man trage sie für die anderen. Aber auch eine Maske mit Filter sei nicht sinnvoll. Die käme nur zum Einsatz, wenn jemand im Kontakt mit bereits Infizierten stünde. Es sei auch schwer über einen längeren Zeitraum über diese Maske zu atmen, sagt die Zahnärztin.

Aufgrund der strengen Hygienestandards in den Praxen, bleibe das große Übertragungsrisiko das sogenannte Aerosol. Die Tröpfchen, die im Alltag zum Beispiel beim Husten, Niesen, aber auch beim Sprechen in die Luft gelangen, fliegen in der Zahnarztpraxis zum Beispiel auch dann umher, wenn gebohrt oder geschliffen werden muss. Deshalb spülen Patienten nun vor der Behandlung mit Wasserstoffperoxid, das einen Großteil der Keime im Mund vernichtet. Eine der wenigen Schutzmaßnahmen, die für Zahnärzte nicht schon Standard waren.

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Über die Autorin Julia Heundorf arbeitet seit Februar 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist im Landkreis Harz aufgewachsen und hat ihren Bachelor in Halle und Bologna gemacht, den Master Medien, Kommunikation und Kultur in Frankfurt (Oder), Sofia und Nizza.

Nach Magdeburg kam sie für einen Job an der Uni. Zu ihren Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Dörfer westlich von Osterwieck, der Heinrich-Heine-Weg zum Brocken und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Quelle: MDR/jh

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