Bei MDR-Recherchen Abschlussbilanz entdeckt DDR-Volkseigentum mehr wert als bislang angenommen

Das Vermögen der volkseigenen DDR-Unternehmen war zur Wirtschafts- und Währungsunion größer als bislang veröffentlicht. Es betrug 924 Milliarden DDR-Mark. Das geht aus einem jetzt entdeckten Schriftstück der Treuhandanstalt vom 25. Juni 1990. Dieses zeigt die Bilanz des Vermögens im DDR-Volkseigentum zum 31. Dezember 1989. Bislang waren nur Zahlen aus der Eröffnungsbilanz der Treuhand zum 1. Juli 1990 bekannt, die 1992 veröffentlicht wurde. Diese wies ein Minus von 209 Milliarden D-Mark aus.

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Matthias Judt
Wirtschaftshistoriker Matthias Judt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Hauptgrund für diesen Unterschied sind aus Sicht des Wirtschaftshistorikers Matthias Judt die unterschiedlichen Abschreibungssysteme im Steuerrecht der DDR und der Bundesrepublik. Er erklärte: "In der DDR hatten die noch funktionierenden Maschinen einen Vermögenswert. Nach den betriebswirtschaftlichen Grundsätzen der BRD waren diese jedoch längst abgeschrieben, verloren also am 1. Juli 1990 ihren Wert.“

Bodenschätze sowie Grund und Boden wurden mit Null bilanziert

Treuhand-Bilanz des DDR-Volkseigentums zum 31.12.1989
Dokument aus den Treuhandakten: Bilanz des Vermögens im DDR-Volkseigentum zum 31.12.1989 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Einschätzung von Judt lag das Vermögen der DDR im Juni 1990 sogar noch höher als die bilanzierten 924 Milliarden DDR-Mark. Denn Bodenschätze sowie Grund und Boden seien mit null Mark bewertet worden: "In der marxistischen Theorie hat Boden keinen Wert, weil keine Arbeit drin steckt. Doch in der Folge der Währungsunion waren diese Flächen plötzlich eine wichtige Einnahmequelle mit steigendem Wert. Dieser Teil der Bilanz war also zu niedrig angesetzt."

Geheimhaltungsfrist für Treuhandakten endet

Die Akten der Treuhandanstalt unterliegen der 30-Jahres-Schutzfrist nach dem Bundesarchivgesetz. Daher ist es erst seit kurzer Zeit möglich, die Akten zu begutachten. Neben Historikern befasst sich auch der Mitteldeutsche Rundfunk mit der Aufarbeitung der Akten. Die Treuhandakten werden seit 2007 in den Bestand des Bundesarchivs überführt. Sie umfassen 45 Regalkilometer.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 30. Juni 2020 | 20:15 Uhr