Arznei und Hitze Kühlung von Medikamenten im Postversand nicht immer sichergestellt

Die Corona-Krise hat dem Online-Handel einen regelrechten Boom gebracht, gerade bei Arzneimitteln. Der Weg der Medikamente vom Handel bis zum Verbraucher erfolgt in der Regel über normale Post- und Paketzusteller. Doch ist das bei den warmen Temperaturen jetzt im Sommer wirklich ein sicherer Weg?

Ein geöffnetes Paket mit verschiedenen Medikamenten steht auf einer Computertastatur.
Der Versand von Medikamenten im Sommer, bei hohen Temperaturen, kann sich negativ auf die Qualität auswirken. Bildrechte: imago images / Action Pictures

Minimal- und Maximaltemperatur, etwa für die Warenschleuse, in der nachts Medikamente angeliefert werden, oder für die Kühlschränke: Holger Herold muss sie in seiner Apotheke in Leipzig täglich protokollieren. Herold ist auch Vorstandsmitglied des sächsischen Landesapothekerverbands. Er beklagt, dass Versandapotheken ihre Arzneien oft ungekühlt über normale Paketzusteller verschicken.

Welchen Weg so ein Päckchen gehen kann, im Hochsommer, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Holger Herold Apotheker und Mitglied im sächsischen Landesapothekerverband

Das sei ein Problem, das zwar juristisch gelöst sei, aber in der Umsetzung noch schwierig sein werde. Das werde dieser Sommer noch zeigen.

Ausreichende Kühlung nicht immer sichergestellt

Die Apothekenbetriebsordnung schreibt jetzt explizit vor, dass die für das jeweilige Medikament erforderliche Temperatur auch im Versand sichergestellt werden muss. Doch wie soll das bei einem normalen Päckchen kontrolliert werden? Eigentlich unmöglich, gibt selbst Christian Buse, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken, zu: "Genauso wenig wie die Apotheken umfassend über Klimaanlagen verfügen, genauso wenig kann man sagen, dass der DHL-Fahrer in seinem Transport-Vehikel mal über 25 Grad hat."

Die zuständigen Aufsichtsbehörden sind die jeweiligen Landesdirektionen. Die Landesdirektion Sachsen teilt MDR AKTUELL dazu schriftlich mit: "Konkrete Vorgaben durch die Behörde, wie die Einhaltung der Temperaturanforderungen während des Transportes bis zur Auslieferung zu gewährleisten sind, sind gesetzlich nicht vorgesehen, sondern obliegen der individuellen Entscheidung des verantwortlichen Apothekenleiters."

Qualität von Medikamenten durch Hitze gefährdet

Zäpfchenpackung
Der Apotheker Holger Herold erklärt, dass die Qualität, auch von gängigen Medikamenten wie Zäpfchen, durch Hitze beeinträchtigt wird. Bildrechte: imago/Panthermedia

Nur bei besonders temperaturempfindlichen Arzneimitteln, wie etwa Insulin, muss die Versandtemperatur protokolliert werden.

Diese Medikamente, versichert Christian Buse, würden ohnehin schon mit speziellen Transportfirmen oder in Kühlboxen ausgeliefert. Apotheker Holger Herold sieht aber auch bei gängigen Medikamenten, wie etwa Zäpfchen, ein Problem.

Sobald sich Temperaturen der 28/30-Grad-Marke näherten, verflüssigten sich Zäpfchen langsam. Der Wirkstoff entmische sich und werde dann irgendwie wieder fest, aber eben nur irgendwie, unterstreicht der Holger Herold. Der Wirkstoff könne dann auch auskristallisiert sein und das heiße, die Qualität sei nicht gewährleistet.

Versandapotheker Christian Buse sagt, entscheidend sei die Einhaltung der Lagertemperatur. Eine kurzfristige Überschreitung bei der Auslieferung sei in der Regel kein Problem. Im Sommer schaue der Logistikleiter dennoch, wie die Temperaturen in den kommenden Wochen in Deutschland werden. Dann werde entschieden, welche Arzneigruppen in den Kühlversand gingen und welche nicht, sagt Christian Buse.

Christian Buse sieht die Hauptverantwortung beim Verbraucher – der würde sein Medikament in der Apotheke in der Regel ja auch nicht mit Kühlbox abholen. Und er entscheide selbst, ob er, Hinweisen der Versender zum Trotz, im Hochsommer Arzneien etwa an eine Packstation liefern lasse.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2020 | 06:20 Uhr

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