Finanzierung in Krisenzeiten Immobilien und Corona: Neue Chancen für den Markt?

Die Zinsen waren im Keller, aber die Quadratmeterpreise für Häuser und Wohnungen erklommen ungeahnte Höhen. Jetzt ist es nicht einfacher: Es sinken die Preise, aber steigen dafür die Zinsen? Viele fragen sich nun: Wie kann man jetzt noch ein eigenes Heim finden und finanzieren?

Symbolbild: Immobilie/Baufinanzierung
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Die Zinsen für die Baufinanzierung sind weiterhin historisch niedrig. Sie sind zwar nicht mehr auf dem absoluten Tiefpunkt, liegen aber nur zwei Zehntel Prozent darüber. Das macht bei einer Finanzierung von einigen 100.000 Euro über 20 Jahre schon Tausende Euro aus. Trotzdem ist die Finanzierung einer Immobilie im historischen Vergleich beispiellos einfach.

Die Kaufnebenkosten für eine Immobilie sollen in vielen Bundesländern fallen

Der Gesetzgeber hat beschlossen, dass Käufer und Verkäufer sich ab 2021 die Maklerkosten teilen sollen. Bisher war es so, dass der Verkäufer in vielen Bundesländern zwar den Makler bestellt, der Käufer aber dann für die Maklerkosten von über sieben Prozent der Kaufsumme (6 Prozent Maklerkosten + 19 Prozent Mwst. ergibt 7,14 Prozent) allein aufkommen musste. Bei einer Kaufsumme von 300.000 Euro waren das bislang also über 21.500 Euro.

Freuen dürften sich vor allem Immobilienkäufer in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen. Sie mussten bisher die gesamte Maklerprovision allein tragen.

mehrere fünfhunderter Geldscheine und ein Taschenrechner
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In Mitteldeutschland lassen sich die Immobilienmakler ihre Leistung zwar ähnlich teuer vergüten, haben aber traditionell den Verkäufer mit der Hälfte beteiligt. Nur in der überhitzten Marktsituation der vergangenen Jahre kam es vor, dass die Käufer trotz dieser Tradition komplett zahlen mussten. Bei Mietwohnungen gilt seit 2018: Wer den Makler bestellt, muss ihn auch zahlen.

Durch die Corona-Krise hat sich die Marktsituation verändert

Viele potentielle Käufer wissen nicht mehr so genau, wie sicher ihr Job ist. Das wissen natürlich auch die Banken und sind möglicherweise zurückhaltender bei der Kreditvergabe.

Hände halten einen Stift
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Immer mehr Immobilienbesitzer werden in den kommenden 18 Monaten auch aus finanzieller Not verkaufen müssen, weil sie durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten gekommen sind. Der Gesetzgeber hat zwar für zusätzliche Stundungsmöglichkeiten gesorgt, wenn man seine Miete oder seine Raten für das eigene Häuschen nicht mehr zahlen kann, das gilt aber nicht für die Raten, mit denen man ein vermietetes Haus oder eine vermietete Eigentumswohnung bezahlt.

Was bedeutet Stundung?

Stundung hat nichts mit dem Aufschub von Stunden zu tun, sondern gemeint ist die Verschiebung von Zahlungen.

Wer darf Zahlungen für Miete oder Hauskredit stunden?

Derzeit können all diejenigen stunden, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind, weil sie keine oder weniger Einnahmen haben.

Dürfen Banken oder Vermieter dafür Gebühren verlangen?

Nach der derzeitigen Gesetzeslage düfen Banken oder Vermieter keine Gebühren für eine Stundung erheben.

Chancen für Käufer

Ein Pärchen gibt sich ein high five
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Die Zahl der finanziell potenten Käufer nimmt wegen der derzeitigen Krise ab und Immobilienbesitzer müssen wegen eben dieser Krise möglicherweise verkaufen. Beides zusammen sollte eine dämpfende Wirkung auf die Preise haben. Möglicherweise ist es lohnender als zuvor, noch ein wenig zu warten und die Zwangsversteigerungsmitteilungen der örtlichen Gerichte und die Online-Seiten entsprechender Anbieter zu kontrollieren.

Dann ist genug Zeit, die Checkliste für den Kauf einer Immobilie noch mal systematisch abzuarbeiten, zu prüfen, wo die Immobilie liegen soll, wie viel Eigenkapital man mobilisieren kann und welcher Finanzierungsmodus der Beste ist.  

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 19. Mai 2020 | 17:00 Uhr