Zum Schutz von Senioren Pflegekräfte sollen massenhaft auf Coronavirus getestet werden

Mit der Lockerung der Coronaschutzauflagen sind wieder Besuche in Altenheimen erlaubt. Prophylaktische Coronavirus-Tests für die Pflegekräfte könnten das Infektionsrisiko für die besonders gefährdeten Senioren senken. Doch reichen die Kapazitäten und wer soll die Tests bezahlen?

Eine Pflegerin schiebt einen Mann in einem Rollstuhl. Beide tragen einen Mundschutz.
Einige Pflegeheime sind Hotspots der Covid-19-Pandemie, trotz drastischer Schutzmaßnahmen. Nun werden die Auflagen gelockert und es entbrennt ein Streit um die Kosten für Massentests in den Heimen. Bildrechte: imago images / localpic

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, begrüßt es ausdrücklich, dass alte Menschen in Pflegeheimen jetzt wieder Besuch empfangen können. Allerdings brauche es dann auch einen ausreichenden Schutz für die Alten: ausreichend Mund-Nasen-Masken, Desinfektionsmittel und Schutzhandschuhe.

Aus Sicht von Brysch können das die Einrichtungen selbst nicht schaffen, und deswegen müsse der Staat hier seiner Schutzpflicht gegenüber den Schwächsten nachkommen.

Streit um Kosten

Eugen Brysch Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz
Patientenschützer Eugen Brysch fordert mehr Schutz für die Senioren in Pflegeheimen. Bildrechte: IMAGO

Der Bund hatte Ende März beschlossen, dass sich Pflegeeinrichtungen solche Kosten von den Kassen erstatten lassen können.

Brysch geht das aber nicht weit genug: Er fordert auch in der Pflege regelmäßige Corona-Tests – schließlich gehe das ja auch in der Bundesliga. Und er weiß auch, wer die Kosten dafür tragen soll.

Tatsächlich geht es darum, dass wir, solange es keine Impfung gibt, das auch als Kassenleistung definieren.

Eugen Brysch, Stiftung Patientenschutz

Das Bundesgesundheitsministerium teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit,  man wolle künftig tatsächlich verstärkt in Pflegeheimen testen. Ein entsprechendes Gesetz sei auf dem Weg.

Für die Kosten solcher präventiver Tests sehen sich die gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht zuständig: Bisher zahlen sie dann, wenn ein Arzt den Test anordnet.

Der GKV-Spitzenverband schickt auf Anfrage ein schriftliches Statement. Demnach kann die gesetzliche Krankenversicherung Massentests als Auftragsleistung übernehmen, damit das organisatorisch gut funktioniert. Man erwarte aber eine Finanzierung aus Steuermitteln.

Zur Eindämmung einer Pandemie und zum Schutz der Menschen ohne Symptome sind Massentests sicher richtig und hilfreich. Das ist aber eine staatliche Aufgabe und nicht die der gesetzlichen Krankenversicherung.

GKV-Vorsitzende Doris Pfeiffer

Pflegerat verweist auf fehlende Testkapazitäten

Regelmäßige Tests für alle in der Pflege seien zwar grundsätzlich wünschenswert, sagt der Vorsitzende des Sächsischen Pflegerates, Michael Junge. Doch die Diskussion gehe momentan noch an der Realität vorbei. So seien in Sachsen aktuell rund 10.000 Tests pro Tag verfügbar, es gebe aber allein 60.000 Pflegekräfte.

Wenn wir die alle regelmäßig testen würden – alle zwei, drei Tage; alles andere macht keinen Sinn – dann sind die Testkapazitäten deutlich überfordert.

Michael Junge vom Sächsischen Pflegerat

Auch das Sächsische Gesundheitsministerium teilt auf Anfrage mit, man plane weder Tests an symptomfreien Menschen aus der Risikogruppe noch an Besuchern von Pflegeeinrichtungen. Besucher müssten aber versichern, dass sie weder Symptome haben noch Kontakt zu Infizierten hatten.

Unsicherheit auch nach negativem Test

Selbst wenn mehrmals in der Woche getestet würde, bleibe stets eine Unsicherheit, erklärt Michael Junge am Beispiel von Altenheim-Besuchern. So könnte sich ein Besucher nach einem Test infizieren, etwa beim Einkaufen im Supermarkt.

Wichtiger als präventive Tests seien deshalb in erster Linie einheitliche Besuchsregeln. Bisher, so kritisiert Junge, entscheide die jeweilige Heimleitung wie die Besuche aussehen können – und das teilweise sehr unterschiedlich. Statt diesem "Flickenteppich", wie er sagt, wünscht Junge sich landesweit gültige Regelungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Mai 2020 | 06:00 Uhr