Mitteldeutschland Corona-Auflagen weiter gelockert – was darf ich, was ist geplant?

Nach wochenlangen erheblichen Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie gibt es nun immer mehr Lockerungen. Bund und Länder haben weitere Erleichterungen beschlossen. Die konkrete Umsetzung ist Ländersache, teils entscheiden die Kommunen. Wie die Situation in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit ist und was sich weiter ändern soll, lesen Sie in unserem Überblick.

Eine junge Frau sitzt mit Smartphone und Mundschutz im Zug.
Maskenpflicht gilt weiterhin im öffentlichen Personennahverkehr. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Tägliches Leben

  • Für private Treffen und Feiern in der eigenen Wohnung oder im eigenen Garten gelten keine Beschränkungen hinsichtlich der Teilnehmerzahl. Hier wird die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln empfohlen.
  • Im öffentlichen Raum dürfen sich Angehörige von zwei Haushalten treffen – also etwa zwei Familien, zwei Paare oder die Mitglieder aus zwei Wohngemeinschaften. Es dürfen sich jedoch maximal zehn Personen treffen.
  • Für alle weiteren Begegnungen gilt ebenfalls ein Mindestabstand von 1,50 Metern.
  • Wer innerhalb Europas nach Sachsen kommt, muss nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Das gilt auch für Reiserückkehrer oder Einreisende aus Großbritannien, Nordirland, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Wer von außerhalb Europas einreist, für den gilt weiter eine Quarantäne- und Melde-Pflicht. Die Person muss das Gesundheitsamt über die Einreise informieren und sich nach der Ankunft in häuslicher Quarantäne für zwei Wochen isolieren. Befreit von der Quarantäne-Pflicht sind alle, die nach Ankunft einen negativen Corona-Test vorweisen können. Ausnahmen gibt es auch für Menschen, die beruflich bedingt grenzüberschreitend reisen, etwa Saisonarbeitskräfte.
  • Tagesausflüge, Dauercamping sowie die Eigennutzung von Ferienwohnungen und Wohnmobilen sind erlaubt, Biergärten, Kneipen, Gaststätten, Ferienwohnungen und Hotels sind bei Beschränkungen wieder geöffnet. Anders als in anderen Bundesländern gilt in Sachsen die Reduzierung der Hotelkapazitäten auf 60 Prozent nicht. Campingplätze öffnen, allerdings ohne die Gemeinschaftsduschen.
  • Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln muss weiterhin ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
  • Alle Geschäfte in Sachsen dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Die bisherige Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern entfällt nach einer Entscheidung des Sächsischen Oberlandesgerichts komplett. Allerdings gilt die Faustregel, dass nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter das jeweilige Geschäft betreten darf.
  • Friseure, Kosmetik- und Fußpflegestudios sind unter strengen Auflagen wieder geöffnet.

Kinder

  • Kita-Kinder und Grundschüler in Sachsen werden in ihren Einrichtungen betreut und unterrichtet. Allen Schülern der anderen Schularten soll laut Kultusministerium ein zeitweiser Präsenzunterricht ermöglicht werden.
  • Schulkinder dürfen sich mit bis zu drei Klassenkameraden in der elterlichen Wohnung treffen, um gemeinsam zu lernen. Das gilt auch für Treffen mit Kindern der eigenen festen Kita-Gruppe, damit Sorgeberechtigte sich die Kinderbetreuung teilen können. 
  • Spielplätze sind geöffnet.

Freizeit

  • Theater, Opern, Kinos können öffnen. Auch Konzerte dürfen stattfinden. Es muss allerdings ein von der Kommune genehmigtes Hygienekonzept vorliegen. Gleiches gilt für Literaturhäuser, Kleinkunst-Spielstätten, Soziokultur und Gästeführungen.
  • Auch Fitnessstudios, Tanz- und Musikschulen, Fahr-, Flug- und Bootsschulen und Freibäder dürfen ihre Dienste anbieten. Spielbanken, Spielhallen, Wettannahmestellen sowie Freizeit- und Vergnügungsparks dürfen ebenfalls öffnen.
  • Vereinssportler in Mannschafts- und Kontaktsportarten können trainieren. Alle Sportstätten dürfen öffnen, auch Schwimmhallen. Wettkämpfe sind ebenfalls erlaubt, aber ohne Zuschauer. Hygienevorschriften sind einzuhalten.
  • Geschlossen sind weiterhin Saunen und Dampfbäder, Messeveranstaltungen, Spezialmärkte, Volksfeste, Jahrmärkte, Diskotheken, Clubs, Musikclubs und Prostitutionsstätten, wie zum Beispiel Bordelle.
  • Busreisen sind unter Auflagen möglichen. Eine Mund-Nasenbedeckung ist Pflicht.

Öffentliches Leben

  • Alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern sind bis zum 31. August verboten.
  • Kundgebungen nach dem Versammlungsrecht sind auf keine bestimmte Anzahl von Teilnehmern begrenzt. Es gelten aber weiter Hygienevorschriften wie ein Mindestabstand und Maskenpflicht. Der Veranstalter muss die Einhaltung sicherstellen.
  • Besuche in Alten- und Pflegeheimen müssen ermöglicht werden.
  • Gottesdienste, Eheschließungen, Trauerfeiern und Beerdigungen sind bei Einhaltung der Abstandsregeln erlaubt.
  • Finden Familienfeiern in Gaststätten oder anderen angemieteten Räumen statt, können daran bis zu 50 Gäste aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis teilnehmen. Das Servicepersonal und andere Diestleister zählen nicht dazu. Die Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden.
  • Zoos und Botanische Gärten sowie Museen, Bibliotheken und Ausstellungsräume dürfen öffnen.
  • Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe, Seniorentreffpunkte sowie Fachberatungen im sozialen und psychosozialen Bereich dürfen unter Hygienebestimmungen wieder stattfinden. Ferienlager oder andere Formen von Kinder- und Jugendurlaub sind jedoch noch nicht wieder möglich.
  • Es gilt weiter ein grundsätzliches Besuchsverbot für Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen, Ausnahmen sind jedoch möglich.
  • Sachsen will sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird.

Die aktuelle Schutz-Verordnung gilt bis 29. August, die Vorgaben zu Großveranstaltungen bis 31. August.

Tägliches Leben

  • In Sachsen-Anhalt gilt die sechste Landesverordnung zur Eindämmung der Corona-Epidemie bis 1. Juli. Sie sieht weitreichende Lockerungen vor: So dürfen sich wieder bis zu 10 Menschen gemeinsam treffen. Auch sind nicht mehr nur größere Familientreffen mit Verwandten in gerader Linie – also zum Beispiel Kindern – erlaubt. "Nahe Verwandte" und deren Ehe- und Lebenspartner können sich auch dann treffen, wenn die Gruppen mehr als zehn Leute umfasst.
  • Generell bleibt es bei den Geboten zur Beschränkung von Kontakten, der Abstandsregel von 1,50 Metern und der Aufforderung zur strengen Einhaltung von Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Nies-Etikette etc.)
  • Erlaubt sind auch Treffen von mehr als zehn Personen zu Familienfeiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen. Insgesamt dürfen sich bei solchen privaten Feiern bis zu 20 Menschen treffen. Das gilt auch für Beerdigungen.
  • Geschäfte dürfen öffnen, unabhängig von der Verkaufsfläche, wenn sie die Schutzstandards (etwa Zugangsbeschränkungen und Einlasskontrollen) einhalten.
  • Friseursalons, Kosmetik-, Fußpflegestudios, Massagestudios, Solarien, Sonnenstudios, Piercing- und Tattoostudios dürfen unter strengen Auflagen öffnen. Das heißt: Mundschutzpflicht für Anbieter und Kunden.
  • Die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln besteht weiter, bei Kindern erst ab sechs Jahren.

Kinder

  • Schulen, Kindergärten und Horte können seit Dienstag nach Pfingsten wieder öffnen. Alle Schülerinnen und Schüler sollen wieder regelmäßig in die Schule gehen, Grundschüler sollen zwischen dem 8. und 15. Juni wieder an ihre Schule zurückkehren. Die Klassen werden aber in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd zu Hause und in der Schule lernen. So sollen Abstände gewährleistet werden. Für Kitas gelten feste Räume sowie feste Gruppen, die sich nicht begegnen sollen.
  • Spielplätze dürfen öffnen, wenn die Landkreise das im Einzelfall oder per Allgemeinverfügung erlauben.

Freizeit

  • Im Freizeitbereich haben Theater und Kinos geöffnet, auch der Besuch in Kneipen oder Spielhallen ist erlaubt. Öffnen dürfen unter anderem ebenfalls: Schwimmbäder, Saunen, Fitness- und Sportstudios, Indoor-Spielplätze, Tanz- und Ballettschulen, Freizeitparks, Volkshochschulen und Jugend- und Familienbildungsstätten.
  • Sport im Freien ist möglich. Gruppen bis fünf Personen dürfen trainieren, wenn dabei das Abstandsgebot eingehalten werden kann. Wettkämpfe und Zuschauer sind nicht erlaubt.
  • Touristen aus anderen Bundesländern dürfen wieder für Ausflüge und Übernachtungen nach Sachsen-Anhalt reisen. Ferienhäuser und Ferienwohnungen dürfen wieder vermietet werden.

Öffentliches Leben

  • Für Kliniken, Krankenhäuser und Pflegeheime gilt kein generelles Besuchsverbot mehr. Allerdings ist pro Patient maximal ein Besucher am Tag erlaubt – und das auch nur für eine Stunde am Tag. Das gilt auch für Behinderten-Werkstätten oder Wohngemeinschaften. Einzelne Einrichtungen können aber am Besuchsverbot festhalten.
  • Bis einschließlich 31. August bleibt es bei einem Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen.
  • Kongresse, Fortbildungen, Seminare oder Informationsveranstaltungen sind mit bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlaubt. Ab Juli sollen es bis zu 250 sein. Das gilt laut Verordnung auch für Treffen von Vereinen. Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen: Die Veranstaltungen müssen geschäftliche, berufliche oder dienstliche Gründe haben und zugleich "fachkundig" organisiert sein. Das bedeutet, dass der Veranstalter ein Hygienekonzept aufgesetzt hat, wie die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.
  • Versammlungen und Kundgebungen nach dem Versammlungsgesetz sind unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften erlaubt.
  • Friseure haben wieder geöffnet. Bei Geschäften wird die Beschränkung der Ladenfläche auf 800 qm aufgehoben.

Die aktuelle Schutz-Verordnung gilt bis 1. Juli, die Vorgaben zu Großveranstaltungen bis 31. August.

Tägliches Leben

  • Im öffentlichen wie auch privaten Raum dürfen sowohl Kontakte mit den Angehörigen des eigenen Haushalts als auch den Angehörigen eines anderen Haushalts stattfinden.
  • Im öffentlichen Raum gilt ein Abstandsgebot von 1,50 Metern.
  • Wer in Geschäften oder im Nahverkehr keine Maske trägt, muss mit einem Bußgeld von 50 Euro rechnen. 

Kinder

  • Seit Anfang Mai sind die Abschlussklassen der Haupt- und Realschulen zurück an ihren Schulen, ebenso die zehnten Klassen. Außerdem begann an einigen Thüringer Hochschulen und Universitäten das Sommersemester.
  • In den Schulen sollen wieder mehr als zehn Schüler in einem Raum unterrichtet werden können. Voraussetzung ist aber, dass die Räume groß genug sind und die Abstände von 1,50 Metern untereinander eingehalten werden können.
  • Seit dem 2. Juni sollen alle Schüler in Thüringen wieder an einem Präsenzunterricht teilnehmen dürfen.
  • Schüler müssen in Pausen und Bussen Masken tragen.
  • Seit Mitte Mai gilt ein eingeschränkter Regelbetrieb in allen Kitas. Kommunen und Träger können frei entscheiden, wie schnell Hygienekonzepte umgesetzt und der eingeschränkte Regelbetrieb umgesetzt werden können. Gruppen sollen verkleinert werden und in einer Art Schichtbetrieb betreut werden. Genaue Konzepte sollen Träger und Kommunen selbst erarbeiten und umsetzen.

Freizeit

  • Gaststätten und Kneipen können wieder öffnen. Betreiber müssen dafür ein Hygiene- und Schutzkonzept entsprechend den Landesvorgaben vorlegen. Das gleiche gilt für das Gastgewerbe, wie zum Beispiel Hotels.
  • Schwimmbäder, Fitnessstudios und andere Sport- und Freizeiteinrichtungen haben ebenfalls wieder geöffnet. Diskotheken, Kinos, Saunas und Prostitutionsstätten, wie zum Beispiel Bordelle, sind weiter geschlossen.
  • Die Thüringer dürfen wieder Individualsport im Freien treiben. Dazu gehören unter anderem Rudern, Segeln, Tennis, Leichtathletik und Reiten. Voraussetzung ist, dass sich die Sporttreibenden in Gemeinschaftsräumen oder in Sanitäranlagen nicht begegnen.

Öffentliches Leben

  • Versammlungen und Veranstaltungen sind wieder erlaubt, es gibt keine Beschränkungen der Teilnehmerzahl.
  • Für Großveranstaltungen gilt eine Obergrenze von 1.000 Teilnehmern – zunächst bis zum 31. August.
  • Theater- und Orchesteraufführungen soll es bis zum 31. August im Innenbereich nicht geben.
  • Geburtsvorbereitungskurse und Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche mit sozialem Unterstützungsbedarf sind erlaubt. Die strikten Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und Behinderte werden schrittweise gelockert. In Pflegeeinrichtungen und besonderen Wohnformen für Menschen mit Behinderungen sind Besuche für eine fest definierte Person erlaubt, täglich maximal zwei Stunden.  
  • Das Betretungsverbot in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Arbeitsbereichen von Tagesstätten sowie in Frühförderstellen wird aufgehoben.
  • Zoos, Botanische Gärten, Museen und Galerien sind wieder offen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2020 | 15:00 Uhr