Coronavirus Ausnahmeregelung ermöglicht erste Besuche in Reha-Kliniken

Besonders hart treffen die Corona-Maßnahmen Patienten in Reha-Kliniken. Sie müssen seit Monaten ohne Kontakte zu ihrer Familie und zu Freunden leben. Dabei wäre dieser Kontakt sehr wichtig für ihre Genesung. Doch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gelten Besuchsverbote für Reha-Kliniken. Nur ganz langsam werden Lockerungen umgesetzt.

Luftaufnahme der Klinik Bavaria Kreischa
Die Reha-Klinik Bavaria in Kreischa ermöglicht seit Mittwoch wieder Besuche in Ausnahmefällen. Bildrechte: imago images/Andreas Weihs

Für Katharina Weyland war Mittwoch der schönste Tag seit Wochen. Sie konnte erstmals wieder ihren Mann sehen, der sich nach einem schweren Schlaganfall in der Reha-Klinik Bavaria in Kreischa erholt. "Es geht ihm sicher, jetzt wo wir uns wiedersehen können, besser. Ich hab die Freude gesehen in seinen Augen. Und es tut dann wahnsinnig weh, wieder gehen zu müssen", erzählt sie.

Katharina Weyland war eine der ersten Besucherinnen in der Klinik seit Wochen. Doch viel Zeit konnte sie nicht mit ihrem Mann verbringen. Denn die Besuchszeit ist begrenzt. Nur eine Stunde saß die Dresdnerin in der Cafeteria der Klinik zusammen mit ihrem Mann.

Dass nur so kurze Besuche derzeit möglich sind, ist für sie sehr schmerzhaft: "Mein Mann versteht das zum Glück. Das macht es nicht besser. Aber er weiß immerhin, dass ich nicht komme, weil ich nicht darf und nicht, weil ich nicht will."

Thüringen und Sachsen erlauben engen Angehörigen Besuche in Reha-Kliniken

So wie Katharina Weyland geht es vielen. Mitteldeutsche Reha-Kliniken sind seit Mitte März de facto abgeriegelt, Besuche unmöglich.

Petra Köpping (SPD), amtierende Integrationsministerin von Sachsen, steht anlässlich der konstituierenden Sitzung des Landtags vor einer Fotowand.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping bittet die Klinikleitungen in Rehakliniken die Ausnahmeregelungen für Besuche umzusetzen. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt ist das immer noch so. In Sachsen und Thüringen aber können enge Angehörige seit wenigen Tagen unter bestimmten Voraussetzungen wieder zu einigen Patienten.

Denn dort traten mit den aktuellsten Corona-Verordnungen Ausnahmeregelungen in Kraft. Und die würden erlauben, dass, zum Beispiel in Sachsen, Langzeitpatienten wieder Besuch empfangen dürften, erklärt Sachsens Sozialministerin Petra Köpping:

Uns ist wichtig, dass man immer die Gesamtgesundheit des Menschen im Blick hat und nicht nur einen einzelnen Punkt. Und deshalb haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass man eben auch in Reha-Kliniken in Ausnahmefällen besuchen kann.

Petra Köpping Sozialministerin Sachsen

Die Ministerin bittet die Klinikleitungen darum, diese Ausnahmeregelungen auch möglich zu machen: "Weil wir wissen, dass durchaus die Patienten aber auch die Angehörigen sehr an einer restriktiven Schließung einer Reha-Klinik leiden."

 

Erste Besuche in Reha-Klinik Bavaria dank Hygienekonzept

Die Klinikleitung in Kreischa, wo fast nur schwer betroffene Patienten behandelt werden, hat deshalb ein Hygienekonzept ausgearbeitet. Seit Mittwoch dürfen wieder Besucher in das Haus. Allerdings nur eine Stunde pro Woche, erklärt Dr. Kathleen Balle, die Sprecherin der Klinik: "Das heißt, wir wollen von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen. Dafür haben wir ein Konzept entwickelt, das sowohl dem Wunsch nach Besuchen, als aber auch den hygienischen Anforderungen gerecht wird."

Da das Konzept erst entwickelt werden musste, wären Besuche auch nicht gleich ab dem Wochenende möglich gewesen, an dem die Ausnahmeregelungen in Kraft getreten sind, sondern erst am Mittwoch darauf, erklärt Kathleen Balle. "Denn wir müssen sicherstellen, dass die Besuche geordnet erfolgen. Insbesondere, um die Infektionsgefahren minimal zu halten."

Telefonhotline für Besuchswünsche

In einer Telefonhotline oder auf der Homepage der Klinik müssen sich Besucher registrieren, bevor sie vorbeikommen. Dort erhalte jeder Besucher eine feste Besuchszeit, sagt Kathleen Balle. "Soweit bitten wir natürlich alle Besucher, dies auch zu respektieren, auch wenn das dem ein oder anderen schwer fallen wird. Wir müssen auf jeden Fall sicherstellen, dass die Patienten keinen größeren Infektionsgefahren ausgesetzt sind."

Katharina Weyland muss deshalb eine Woche warten, erst dann kann sie ihren Mann wiedersehen. Die Klinik habe ihr aber schon Hoffnung gemacht, dass sich das bald verbessert. Wenn das Hygienekonzept in Kreischa erfolgreich ist, seien vielleicht bald häufigere Besuche möglich, sagt die Dresdnerin.

Sollten Sie Fragen zu Besuchen in der Reha-Klinik Bavaria in Kreischa haben, erreichen sie die kostenlose Info-Hotline unter folgender Nummer: 035206 6 3026 (Montag–Freitag 10.00–16.00 Uhr).

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2020 | 05:00 Uhr